Interview zum Thema “Betreuungskräfte nach §87b Abs.3 SGB XI.”


Elmshorn Rund ums Alter Blog führte heute ein Interview mit Gregor Kloeters,  Dozent für Pflegepraxis und Qualitätsmanagement, zum Thema Betreuungskräfte nach §87b Abs. 3 SGB XI.

RUAB: Herr Kloeters, was hat es denn genau auf sich, mit den Betreuungskräften?

Kloeters: Seit Einführung des Pflegeweiterentwicklungsgesetzes im Jahr 2008 werden bundesweit in verschiedenen Maßnahmen, Betreuungskräfte nach §87b qualifiziert. Ich nenne sie jetzt einmal Betreuungskräfte, denn einen einheitlichen Namen gibt es meines Wissens dafür nicht, außer vom GKV (Spitzenverband der Krankenkassen Anm. d. Redaktion). Nach der Qualifizierung sind diese dann berechtigt, in stationären Pflegeinerichtungen die Bewohner, nach den Richtlinien des GKV, zu beschäftigen, reaktivieren und betreuen.

RUAB: Welche Aufgaben und Tätigkeiten sind das genau?

Kloeters: Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) hat hierzu entsprechende Richtlinien herausgegeben. Diese erläutern den Umfang und die Art der Qualifizerung sowie das Tätigkeitsfeld. So sind folgende Tätigkeiten aufgeführt: Malen und basteln, handwerkliche Arbeiten und leichte Gartenarbeiten, Haustiere füttern und pflegen, Kochen und backen, Anfertigung von Erinnerungsalben oder -ordnern, Musik hören, musizieren, singen, Brett- und Kartenspiele,Spaziergänge und Ausflüge, Bwegunsübungen und tanzen in der Gruppe, Besuch von kulturellen Veranstaltungen oder Sportveranstaltungen, Gottesdiensten, Friedhöfen, lesen und vorlesen oder auch Fotoalben anschauen.

RUAB: Und wenn diese dann qualifiziert sind, wo können sie dann tätig werden?

Kloeters: Wie bereits erwähnt, in stationären Pflegeeinrichtungen. Diese können, je nach Patientenstruktur, ihren Anspruch auf Betreuungsbedarf (100€) oder erhöhten Betreuungsbedarf (200€) geltend machen. Als Grundlage hierzu gilt: Auf 25 in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkten Bewohner, kommt eine Vollzeitstelle. Die Kostenübernahme hierfür müssen, wie die allgemeinen Pflegesätze, mit der Pflegekasse ausgehandelt werden.

RUAB: Das heißt, die Betreuungskräfte sind dann Mitarbeiter in der Pflege?

Kloeters: So kann man es sagen. Denn nach § 4 Abs. 3 der Betreuungskräfte-Richtlinien müssen sie sogar jedes Jahr an 2 Tagen fortgebildet werden bzw. an 2 Fortbildungstagen teilnehmen. Ansonsten ist die Refinanzierung durch die Pflegekassen gefährdet.

RUAB: Was wird denn in den Fortbildungen vermittelt?

Kloeters: Das ist unterschiedlich. Von der Auffrischung des Erlernten bis hin zu intensiven Schulungen zu Themen wie Tages- und Monatsplanung oder auch Dokumentation. Diese ist in der Pflege sehr wichtig. Es heißt “Was nicht dokumentiert wurde, gilt als nicht gemacht”. Auch neue Beschäftigungsformen und Möglichkeiten wie zum Beispiel Demenzfilme von Ilses weite Welt werden vorgestellt.

RUAB: Das klingt nach einer fundierten Qualifizierung bzw. Fortbildung. Die Gretchenfrage –  Was kann denn in diesem Beruf verdient werden?

Kloeters: Auch das ist unterschiedlich. Wie schon erwähnt, müssen die Einrichtungen autark, also jeder für sich, dies mit den zuständigen Pflegekassen aushandeln. Ich habe schon von Löhnen zwischen 1400€(Schleswig-Holstein) und 1800€(Bayern) gelesen. Oftmals werden die Kräfte in Teilzeit oder auf 400€-Basis eingestellt. Dies ist nachvollziehbar, da hier eine breitere Vielfalt an Betreuungskräften angeboten werden kann. Der eine ist z.b. im Bereich der Biographiearbeit stärker, der andere eher im Bereich der Brettspiele. Zudem wird auch hier mal jemand krank oder hat Urlaub.

RUAB: Herr Kloeters, vielen Dank für das kleine Interview und viel Spaß weiterhin bei Ihrer Arbeit

Kloeters: Gern geschehen und danke für Ihre Wünsche. Aktuell macht es sehr viel Spaß – wenn man 18 hochmotivierte und interessierte Teilnehmer hat, ist dies kein Wunder.

Gregor Kloeters, Dozent für Pflegepraxis

Rund ums Alter Blog sprach mit Gregor Kloeters, Dozent für Pflegepraxis und Qualitätsmanagement. Er schult bundesweit sowohl im Bereich §87b als auch Pflegende zu Themen wie “Umgang mit Verstorbenen” oder auch “Marketing und Vertrieb”

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4 Antworten

  1. [...] “Rund ums Alter Blog” führte hierzu ein kurzes Interview. Zu lesen hier-> Share and Enjoy: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden [...]

  2. Hallo,
    ich bin Betreuungskraft§87b und finde die Antworten etwas oberflächlich. Wenn man sich überlegt, dass die Pflege für die Betreuung der Senioren keine Zeit mehr hat und wir alles auffangen sollen, ist unser Aufgabenbereich wesentlich umfangreicher. Wir sind die Menschen, die immer ansprechbar seien sollen! Ob Dement oder nicht, man kann schließlich nicht sagen, für sie bin ich nicht zuständig. Ohne psychologisches Einfühlungsvermögen und medizinisches Wissen kann man diesen Beruf kaum ausfüllen.
    Es ist viel mehr als Spielen…… wie so mancher denk!!!!!
    LG Marina

    • Hallo Marina,

      vielen Dank für Ihre Anmerkung. Es ist nicht so, dass ich das nicht kennen würde. Letzlich sind es, wie im Interview erwähnt, lediglich Richtlinien die der Spitzenverband der Krankenkassen herausgegeben hat. Das es dadurch verschiedene interne Anweisungen bzw. Leitbilder geben kann, möchte ich hiermit ergänzen, falls das nicht so richtig klar wurde.

      Die Frage ist, wo Teamgeist und Anweisung zu Verstößen führt. Spätestens bei der Medikamenteneinteilung oder -Vergabe sollte man sich seine Gedanken machen.

      Zudem legt der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) seit geraumer Zeit u.a. seinen Fokus auf die Tätigkeiten der 87b-Kräfte. Somit liegt der Fokus hier zu einem nicht unerheblichen Teil in der Dokumentation. Ich denke, wenn dann etwas nicht “passt”, könnte es Konsequenzen haben.

      Beste Grüße

      Gregor Kloeters

  3. Hallo Herr Kloeters

    Ich Hätte eine Frage an Sie, Was sollte ich als 50 % Kraft in eine Senioren Zentrum als Betreuungskraft 87b§ Brutto verdienen ?
    Weil mit dem was der Arbeitgeber monatlich pro BW bekommt ist ja eine Menge,deshalb bin ich skeptisch ob dass was ich kriege OK ist …

    Beste Grüße

    Elida

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